Aktueller Fall des Monats

Titel 
Verspätete Versorgung

Fall-Nummer
190091

Zuständiges Fachgebiet 
Innere Medizin

Altersgruppe des Patienten 
Senior/in (> 70 Jahre)

Wo ist das Ereignis passiert? 
Krankenhaus

Was ist passiert? 
Außenlieger wurde nach Aufnahme zum Ende der Woche über das Wochenende erst spät ärztlich visitiert und gesehen.

Was war das Ergebnis? 
Fast keine ärztliche Versorgung.

Wo sehen Sie Gründe für dieses Ereignis? 
leer

Welche Faktoren trugen zu dem Ereignis bei?

  • Kommunikation (im Team, mit Patienten, mit anderen Ärzten etc.)
  • Ausbildung und Training
  • Persönliche Faktoren des Mitarbeiters (Müdigkeit, Gesundheit, Motivation etc.)
  • Teamfaktoren (Zusammenarbeit, Vertrauen, Kultur, Führung etc.)
  • Organisation (zu wenig Personal, Standards, Arbeitsbelastung, Abläufe etc.)

Wie häufig ist dieses Ereignis bisher ungefähr aufgetreten? 
Erstmalig

Wer berichtet? 
Pflege-, Praxispersonal

Kommentare 

Kommentar des Anwender-Forums (2019)
Als Außenlieger werden die Patienten verstanden, die auf einer fachfremden Station untergebracht sind (da in der entsprechenden Abteilung keine Betten zur Verfügung stehen), zum Beispiel Patienten mit internistischen Krankheitsbildern in einer operativen Abteilung.

Weitere Fragen, die hilfreich sind für die Analyse des Ereignisses:

  • Welcher Zeitraum wird mit "verspätet" verstanden?
  • Gab es ein Informationsdefizit bei der ärztlichen Übergabe?
  • Gibt es in dem Haus eine Vorgabe, bis wann ein Patient nach einer Aufnahme vom ärztlichen Dienst gesehen bzw. bis wann eine ärztliche Visite auch am Wochenende durchgeführt werden muss?

Zumeist erfolgt die Versorgung der "Außenlieger" durch die Ärzte, nachdem sie die Patienten auf den facheigenen Stationen versorgt haben. Diese Tätigkeit wird in aller Regel "on top" durchgeführt, sie ist wegen des unberechenbaren Aufkommens an Patienten schlecht planbar und eine zusätzliche Aufgabe für Tag und Bereitschaftsdienste. Alleine dadurch kann es zu Verzögerungen kommen.

Als Nebenaspekt wird erwähnt, dass durch die Notwendigkeit, die neu eingeführten Pflegepersonaluntergrenzen einhalten zu müssen, Patienten auf fachfremden Stationen untergebracht werden, in denen diese Untergrenzen nicht gelten.

Sowohl die Mitarbeiter der Stationen als auch die zuständigen Ärztinnen und Ärzte der Fachabteilungen brauchen jederzeit die Informationen über die Patienten und die ärztliche Zuständigkeit:

  • Die Ärzte der jeweiligen Fachabteilungen müssen eine Liste der "außen liegenden" Patienten, für die sie zuständig sind, führen. Diese Liste muss auch Bestandteil der Übergabe an den Bereitschaftsdienst sein. Das System der Übergabe sollte bestmöglich gewährleisten, dass alle relevanten Informationen übergeben werden.
  • Die Stationen müssen immer wissen, welche Fachdisziplin auf welche Weise (eine feste Telefonnummer sowohl im Tagdienst als auch im Bereitschaftsdienst) für Belange der Patienten angesprochen werden können.
  • Es könnte auch hilfreich sein, wenn Patienten das System und dem Umfang der Wochenendvisiten kennen. Möglicherweise entsteht die Wahrnehmung der verspäteten Versorgung auch durch eine unrealistische Erwartung von Patienten.